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Flaminia (links) und eine Hofdame spinnen eine Intrige. Auch
in den übrigen Szenen des Stücks von Marivaux geht es um Rankespieie.
Foto factum
Von der Liebe und anderen Wirrungen
Premiere eines Stücks des französischen Autors Marivaux im
Sindelfinger Theaterkeller |
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SINDELFINGEN. Er gilt als
Anatom des menschlichen
Herzens: Kaum einer konnte in Komödien die Irrungen und
Wirrungen der Liebe so tiefsinnig beschreiben wie Marivaux. Nun zeigt
die Schaubühne ein Stück des französischen Frühaufklärers: „Wankelmut der
Liebe."
Von Petra Mostbacher-Dix
„Hat mir nicht meine Mutter das
beste Gespann mitgegeben?" Ein seltsamer Mensch, ist er, dieser
Arlequin. Statt eines Pferdegespanns samt edler Kutsche benutzt er
lieber seine Beine. Auch sonst scheint ihn weder Luxus noch Laster zu
locken! Eine raffinierte Hofdame lässt er abblitzen: „Frauen sind
hässlich, wenn sie kokett sind."
Trivelin betritt die Bühne im
Theaterkeller, er Angestellter am Hof des Prinzen und völlig ratlos:
Da hat er dem Dorfburschen Arlequin kostbare Möbel oder ein Domizil auf
dem Lande und eines in der Stadt angeboten, und der hat abgelehnt.
All das könnte Arlequin haben, wenn er sein geliebtes Bauernmädchen
Sylvia dem Prinzen überlassen würde. Denn der will Sylvia unbedingt
heira- |
ten. Also ließ er das junge Ding
gegen ihren Willen in seinen Palast bringen, in der Hoffnung, das
Paar so auseinander zu bringen. Doch Macht und Reichtum sind nicht das
Kraut, das gegen Liebe gewachsen ist. Erst die List einer Hofdame vermag
die Gefühle von Sylvia und Arlequin wanken zu lassen.
„La double inconstance", zu
deutsch „Wankelmut der Liebe" nannte Pierre Carlet de Chamblain de
Marivaux seine 1723 geschriebenes Stück, das heute Abend in
Sindelfingen Premiere hat. Inszeniert hat die Komödie, die auch
unter dem Titel „Verführbarkeit auf beiden Seiten" bekannt ist, Jürgen von
Bülow mit dem Ensemble der Schaubühne Sindelfingen. Ein Erstauftritt in
doppeltem Sinne: Der Regisseur und Drehbuchautor arbeitet zum ersten
Mal mit der Schaubühne und mit Marivaux. „Ich will mitreißen und Emotionen
wecken", so der Stuttgarter. „Das Stück ist ideal und aktuell. Dieses
Spiel zwischen echten und vorgetäuschten Gefühlen ist heute nicht
anders wie vor 250 Jahren. Das
Interessante ist, dass letztlich jeder durch eine Intrige seinen
Partner findet."
Und so hat Bülow sein Augenmerk
weniger auf die Ständeunterschiede der französischen
Gesellschaft des 18. Jahrhunderts denn |
auf die Liebe und Lüge gelegt. So
manipuliert Hofdame Flaminia (Gisela Samesch) Sylvia und Arlequin (Belinda
Grimm und Frithjof Günzel), indem sie ihnen schmeichelt. Sie tut so, als
sei sie auf deren Seite, während sie die wunden Punkte des Paares in ihrem
Ränkespiel gut zu nutzen weiß.
Sind alle Menschen, auch die
guten, käuflich? „Es kommt wohl auf den Preis an", sagt von Bülow.
„Bei Sylvia ist es die Eitelkeit, bei Arlequin das gute Essen. Aber beide
merken auch, dass es eigentlich keine Liebe ist zwischen ihnen, sie
sind eher wie Geschwister."
So hüpft das Paar, als es sich im
Palast wiedersieht, wie Hansel und Gretel über die Bühne. Überhaupt sind
es einfache, gleichwohl
spannende Bilder, die von Bülow schafft. Gerade mal vier Stühle und
ein Stillleben mit Früchten an der Wand genügen ihm als Kulisse. „Das
kommt von meiner Filmarbeit", erklärt er, „mir geht es nicht um
Selbstverwirklichung, ich möchte, dass alle im Publikum die Geschichte
verstehen."
Wankelmut der Liebe", gespielt im Theaterkeller Sindelfingen, Vaihinger Straße 14. Premiere ist heute um 20 Uhr. www.schaubuehne-sindelflngen.de |
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