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KREIS BÖBLINGEN |
Stuttgarter Zeitung Nr.
273 |
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Seitensprünge als Thema für das
Theater
Premiere bei der Schaubühne
SINDELFINGEN. Kann eine „offene
Ehe" funktionieren? Wer die Sicht des Nobelpreisträgers Dario Fo
wissen will, der besuche den Theaterkeller in Sindelfingen. Dort hat
heute sein Stück „Offene Zweierbeziehung" Premiere.
Von Petra Mostbacher-Dix
„Bravo! Der eine verlässt Familie
und Kinder und beginnt Extremsport zu betreiben, der nächste lässt seinen
Job sausen und eröffnet eine Sushibar, der dritte eröffnet einen
Swin-gerclub für den Eigenbedarf! Und an all dem ist die Politik schuld!"
Antonia hat genug von den fadenscheinigen Ausreden, die ihr Mann Giovanni
für seine Seitensprünge anbringt. Und der gibt es denn auch zu, dass
ihn vor allem die Lust, jemanden flachzulegen, antreibt, was wiederum
Antonia mehrfach in Selbstmordversuche treibt.
Natürlich nicht in Wirklichkeit.
Antonia und Giovanni heißen im wahren Leben Gisela Samesch und
Karsten Spitzer, und sie proben auf der Bühne des Theaterkellers in der
Vaihinger Straße 14 die „Offene Zweierbeziehung". Die bitterböse
Komödie von Literatur-Nobelpreisträger Dario Fo und seiner Frau
Franca Rame aus dem Jahr 1983 ist von Dorothea Meert für die Schaubühne
Sindelfingen inszeniert worden. „Seit ich es Ende der 80er Jahre sah,
war ich fasziniert von dem Stück", so die Regisseurin. „Durch seine Dichte
und Kompaktheit ist es nicht einfach. Es ist ein ernstes Thema, das mit
einem ironischen Unterton präsentiert wird. Wenn man nicht aufpasst, kann
das schnell abgleiten." Abgeglitten ist dem Schaubühnenteam - das
1973 gegründete Ensemble aus ausgebildeten Schauspielern und
Amateuren wird nun von Rainer Wolf geleitet - freilich nichts. Samesch und
Spitzer liefern sich spitzfindige Wortgefechte.
Das ist keine leichte Aufgabe,
zumal die Protagonisten in verschiedenen Zeiten agieren müssen. So
wird die Farce im Rückblick |
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Mit viel Schwung und Witz zeigt die Schaubühne
Sindelflngen, was in einer problematischen Paarbeziehung passieren kann,
Foto Weise/factum |
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erzählt. Fast wie im brechtschen
Theater schlüpfen Antonia und Giovanni im Nachhinein in die
verschiedenen Geschehnisse ihres Ehelebens. Das ist eben - wie der
Titel schon sagt - geprägt von der offenen Zweierbeziehung. In die
wird Antonia von Giovanni gedrängt, um dem „täglichen Einheitsbrei" der
Bürgerlichkeit zu entkommen. Sie akzeptiert, kann aber zunächst nicht
damit umgehen, dass ihr Mann mitunter mehrere Geliebte
gleichzeitig hat. Sie leidet, bis sie, auch angeregt von ihrem rappenden
Sohn Roberto, sich neue Ziele sucht. Sie verändert |
sich äußerlich wie innerlich. Am
neuen Arbeitsplatz lernt sie einen Professor (Mario Fischer) von
Euratom kennen und lieben. Das ist zu viel für Giovanni, den betrogenen
Betrüger, zumal der Atomwissenschaftler nicht nur Ende 30 und sieben Kilo
leichter ist als er, sondern auch noch Rockmusiker. „Die offene
Zweierbeziehung funktioniert offensichtlich nur, wenn sie zu einer Seite
hin geöffnet ist, zu der Seite des Mannes. Sobald sie sich jedoch auch zur
Seite der Frau öffnet, entsteht Durchzug!", stellt darauf Antonia
sarkastisch fest. |
Eine Abrechnung mit der
Männerwelt? Sicher haben Fo und Rame in ihrer Farce ein einst viel
propagiertes Beziehungsmodell sowie die Emanzipation unter die
sozialkritische Theaterlupe genommen. Aber es geht ihnen um die Basis
einer Beziehung, um Kommunikation. Und das versteht die Schaubühne
mit Schwung, Witz und Tiefe zu vermitteln. Die Premiere beginnt um 20
Uhr.
■ Weitere Vorstellungen am 26.
November und am 1., 2., 3. und 4. Dezember.
www.schaubuehne-sindelfingen.de |
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