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Sindelfingen:
Schaubühne spielt unter Rainer Wolfs Regie „Mein Freund Harvey" im
Theaterkeller
Der
Titelheld bleibt unsichtbar |
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Von unserem Mitarbeiter Thomas
Volkmann |
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Katrin
Schwarz und Frithjof Künzel im
Theaterkeller.
Bild:
Stampe/A |
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Wenn es im neuen Stück der
Sindelfinger Schaubühne stellenweise zugeht wie im Irrenhaus, dann
hat das durchaus seine Richtigkeit. Die Komödie „Mein Freund Harvey",
ausgezeichnet mit dem Pulitzer-Preis und 1950 mit James Stewart verfilmt,
spielt einige Szenen lang in einer Psychiatrie. Der Titelheld bleibt dabei
auch für das Publikum unsichtbar.
Vera Simmons, die Schwester des
Kleinstadtsonderlings Elwood P. Dowd, hält es nicht mehr aus. Weil
ihr Bruder sich ständig mit einem mehr als mannshohen weißen,
allerdings für niemanden außer ihm selbst sichtbaren Hasen abgibt und
keinerlei Anstalten macht, sich von dieser Marotte zu verabschieden,
liefert sie ihn in einem Sanatorium ein.
Ihre Geschichte aber hält der
zuständige Psychiater für so was von gaga, dass er die gute Frau gleich
dabehält. Elwood hingegen entgeht seinem Schicksal und zieht wie
gehabt durch die Bars der Stadt. Allerdings verliert er seinen Freund
Harvey, den unsichtbaren Hasen, aus den Augen. Während der Suche nach
dem mysteriösen Gefährten dringt so manche Wahrheit ans
Tageslicht.
Die Verzweiflung, die Astrid
Reinhardt in ihre Figur der zwar gestressten, aber auch nicht
uneigennützigen Schwester legt, überzeugt nicht nur den Psychiater.
„Manchmal sehe ich den großen weißen Hasen selbst", gesteht Vera Simmons
dem Dottore, ein Satz, der ihr Schicksal fürs erste besiegelt und mit dem
in der zweiten Szene endlich Schwung in das erstmals 1944 in New
York |
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uraufgeführte Stück von Mary Coyle
Chase kommt. Das Urteil des Arztes ist eindeutig: „Wenn sie etwas gesehen
hat, was es gibt, dann wäre der Fall erledigt."
Nun steckt also Vera in der Klapse
beziehungsweise in der mit eiskalten Wasser gefüllten Badewanne,
Elwood dagegen darf sich im Sanatorium umschauen. Frithjof Künzel spielt
den halluzinierenden freundlichen Herren mit der nötigen
Verklärtheit, sein Sprechton ist nüchtern, der Blick gerade so, als
sehe er durch die leibhaftig Anwesenden hindurch. Eben weil Elwood
aber so unaufgeregt agiert, bringt er das Personal der Reihe nach auf die
Palme.
Diese Aufregung aber überzeugend
darzustellen, das ist eine Schwierigkeit, die erst einmal gemeistert
sein will. Myrtle Mae (Kera Rachel Cook), Veras Tochter und El-woods
Nichte, überzieht ihr Mienenspiel in dieser Hinsicht etwas stark, auch das
spätere Kokettieren und Händchenhalten mit |
dem mehr als einen Kopf kleineren
Krankenpfleger Wilson (Volker Bönisch) will nicht so recht
passen.
Passen tut hingegen eine andere sich anbahnende Beziehung, an der der Charmeur Elwood nicht ganz unbeteiligt ist. Nachdem sie sich anfangs fast bekriegen, finden am Ende die Oberschwester Kelly (Katrin Schwarz) und Dr. Sanderson (Gerald Speckner) als Paar zusammen, insbesondere Katrin Schwarz spielt ihre Figur äußerst glaubhaft. Beeindruckend ist aber auch der zudem für die Regie des Stückes verantwortliche Rainer Wolf als Anstaltsleiter Dr. Chumley. Er agiert mit am natürlichsten von allen Darstellern, spricht, wie wenn er das alles gerade erleben und eben nicht nur spielen würde.
■ Weitere Aufführungen: 29.
September, am 1., 2., 3., 9., 10.,
11. und 13. Oktober, jeweils 20 Uhr im Theaterkeller
Sindelfingen. Reservierung unter Telefon 0 70 31 / 94 325. |
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