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Hase Harvey hoppelt durch den Theaterkeller
Besser liebenswert vertrottelt als gierig und unzufrieden
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Sindelfingen - Man erinnert sich an James Stewart in der Rolle des etwas wunderlichen Elwood, der immer in Begleitung seines Freundes Harvey daherkommt. Jetzt spielt der große unsichtbare weiße Hase die Hauptrolle bei der Schaubühne Sindelfingen.
VON ANNA J. DEYLITZ
Ein brechend voller Theaterkeller und höchst amüsierte Zuschauer sehen dabei zu, in welche Verwicklungen dieses nunmehr 60 Jahre alte Stück der Amerikanerin Mary Coyle Chase Harvey und seine Adoptivfamilie bringt. Harvey, der für die meisten Menschen unsichtbare Riesenhase, hat sich den liebenswerten, etwas langsamen und durch Erbschaft wohlhabenden Elwood P. Dowd (hervorragend in seiner liebenswert-naiven Ver-trotteltheit: Fritjof Künzel) zum Kumpel ausgesucht. Beide gehen gemeinsam ihre Freunde besuchen und beide trinken gern ein wenig zu viel.
Die resolute Schwester Veta Louise (sehr überzeugend und facettenreich: Astrid Reinhardt), deren oberstes Ziel es ist, gesellschaftlich etwas darzustellen und ihre mannbare Tochter Myrtle May (entzückend: Kera Rachel Cook) unter die Haube zu bringen, empfindet den Hasen als störend, weshalb sie ihren Bruder in eine psychiatrische Klinik einweisen lassen will. Hier kommt es zu Verwicklungen, weil der junge Assistenzarzt Sanderson (nett in seiner Beflissenheit und tollpatschigen Verliebtheit: Gerald Speckner) - auf Abartiges trainiert - in der Schwester die wirkliche Patientin diagnostiziert und sie kurzerhand vom reichlich rabiaten Pfleger Wilson (gut: Volker Bönisch) in Badewanne und Zelle stecken lässt.
Der Klinikchef Chumley (sehr schöne Studie: Rainer Wolf) jedoch findet auf der Suche
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nach seinem echten" Patienten diesen und Harvey, trinkt reichlich mit ihnen und fühlt sich anschließend von Harvey verfolgt. Vor der endgültigen Einweisung von Elwood, zu der auch der Familienanwalt Gaffney (gut: Rainer Schmider) erscheint, taucht der Taxifahrer (sehr schön: Karl-Heinz Gorenko) auf, der die Patienten vor und nach der Behandlung fährt. Erst sein Bericht bekehrt die Anwesenden: besser ein liebenswert vertrottelterund- großzügigiger Elwood mit Hase als ein gieriger unzufriedener und möglicherweise auch weniger großzügiger aber normaler" Bruder Elwood.
Hübsche Kulisse, schöne Kostüme
So finden sich zu guter Letzt alle mit ihrem Schicksal ab, Dr. Sanderson tut sich mit der Oberschwester Kelly (entzückend: Katrin Schwarz) zusammen, Frau Chumley (Petra Wächter) findet einen leicht veränderten Gatten vor, Veta Loise bildet vorübergehend ein Paar mit dem Krankenpfleger und Harvey und seine komplette Adoptivfamilie führen ihr etwas merkwürdiges aber ruhiges Leben weiter. Das Ganze findet in einer bemerkenswert gekonnt gebauten und hübschen Kulisse (Petra Wächter) mit schönen Kostümen (Katrin Schwarz) statt und ist in den Abläufen gut eingerichtet (Regie: Rainer Wolf).
Wenn auch ein paar Striche und ein wenig mehr Tempo wünschenswert gewesen wären: insgesamt eine gelungene Aufführung, die dem Publikum ganz offensichtlich viel Freude bereitet hat. Heftiger Beifall zeugen davon. Letzte Chance, die Aufführung zu sehen: am Mittwoch, 13. Oktober um 20 Uhr im Theaterkeller. Vorverkauf im i-Punkt Sindelfingen (07031/94-325).
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