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Die
Schaubühne Sindelfingen spielt zum 30-jährigen Bestehen Dario
Fo
Zwei
schnell und gekonnt gespielte Farcen |
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Sindelfingen - Schier dreißig Jahre
ist sie alt, die Schaubühne Sindelfingen. Mit der Aufführung zweier
Einakter von Dario Fo zeigen die Mitglieder, dass nicht nur die große
Routine, sondern ebenso Spielfreude, Tempo, Esprit und Können die
zumeist hervorragenden Aufführungen dieser Truppe
ermöglichen.
VON ANNA J. DEYLITZ
Dario Fo, der sich selbst wohl am
meisten über seinen Nobelpreis gewundert hat, ist ein Theaternarr. Früh
mit dem Volkstheater in Berührung gekommen, immer die Figuren der Comedia
del arte im Nacken, gestaltet er Stücke mit Witz und Ironie, oft genug
auch mit bitterem Spott an der Gesellschaft. Er will decouvrieren, aber
zugleich auch immer unterhalten.
An diesem Abend kamen zwei der
freundlicheren, boulevardeskeren Farcen zur Aufführung. „Der
Dieb, der nicht zu Schaden kam" ist ein vertrottelter liebender
Einbre- |
cher (sehr schön: Bernd Steinhart),
der völlig unter der sanften aber penetranten Steuerung seiner
Ehefrau (hübsch, diese gutbürgerliche Gaunerfrau: Katrin Schwarz)
steht und seinem Beruf nachkommt, wie ein kleiner Beamter. Der
Staatssekretär (ausgezeichnet: Karsten Spitzer), dessen Wohnung er
sich ausgesucht hat, kommt überraschend früh heim, ärgerlicherweise aber
mit seiner Geliebten (hinreißend: Katrin Mangold), so dass einer den
anderen in der Hand hat.
Nach und nach stellen sich auch
noch die anderen Ehepartner (Olga Knaus, Ted Steffen Vogt) ein, und
trotzdem: irgendwie wurschtelt sich alles zurecht, und das mit witzigen
Dialogen, komischen Situationen, schnell und gekonnt
gespielt.
Nach der Pause: der Nackte und der Mann im Frack. Nach einem eingängigen moritatigen Eingangslied (Musik Reinhard Samesch) wirkt der Eingangsdialog zwischen den beiden Straßenkehrern wie absurdes Theater. Dem Philosophierenden (eine feine Studie: Martin Müller) und dem Pfiffigen, der nichts |
versteht, aber alles für sich
nutzbar macht (hervorragend: Karsten Spitzer). Beide reden ständig mehr
oder weniger aneinander vorbei. Dass die Dame vom Gewerbe
(entzückend: Gisela Samesch) den einen abschleppt, passt gut, denn nun
kann der nackte - weil überraschte und getürmte - Liebhaber (witzig:
Rainer Wolf), der sich in einer Mülltonne versteckt hat, um Hilfe bitten.
Ein Blumenverkäufer (Florian Schmider) und ein Wachmann (Rainer
Schmider) tragen nicht unbedingt zur Glättung der Wogen bei, dennoch:
Auch hier gibt es ein Happy End.
Text- und situationssicher,
schnell, spritzig, witzig hat Dorothea Meert (unter der Assistenz
ihres Ehemannes Armand) diese beiden Stücke inszeniert und das Bühnenbild
entworfen. Ein vergnügliches Geschenk, das die Schaubühne ihrem Publikum
anlässlich ihres dreißigjährigen Bestehens macht.
Weitere
Aufführungen am 3., 5.,7.,8.,9.,10.und 12.Februar im
Theaterkeller, jeweils
um 20 Uhr. Kartenvorverkauf beim I-Punkt Sindelfingen (0 70 31)
94-325. |
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Fo im Theaterkeller KRZ-Foto:
Ruchay |
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