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PREMIERE / „Irre alte Welt" von James Saunders im
Theaterkeller
...geplagt von unsäglicher
Langeweile |
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SINDELFINGEN ■ Eine neue Zukunft
hat begonnen, die Frauen haben sich der Gattung Männer entledigt. Sie
pflanzen sich selbst fort, leben männerlos und glücklich auf einer
einsamen Südseeinsel in paradiesischem Umfeld: Palmen, Sand,
sanfte Wellen, Früchte in Hülle und Fülle... geplagt von unsäglicher
Langeweile.
ANNE WERNER
Alles Maskuline ist verpönt,
Zerstörung und Sinnlosigkeit haben ein Ende, nur noch süße Vernunft
soll das Leben bestimmen; Die Vorstellung der Frauen vom Wesen des
Mannes entspringt alten Erzählungen: brutal sollen sie sein, mit
einem unbeugsamen Herrschaftswillen ausgestattet, schädliche und
gefähr- |
liche Kreaturen. So ist jedenfalls
der Stand der Dinge, als zwei schiffbrüchige Brüder an den Strand
ge-. spült werden, in diese von fünf Schwestern bewohnte Idylle einbre-,
chen. Auch sie kennen die holde Weiblichkeit nur schemenhaft aus einer
vagen Erinnerung und Träumen, sind aber gierig darauf, die Konturen
endlich füllen zu können. Und schlagartig ist es aus mit dem Frieden,
jedoch auch mit der Ein-tönigkeit, die Inselbewohnerinnen geraten in
hellste Aufregung, Abwehr und Verzückung. Zwei von ihnen, Lorna, naiv
und sprachbegabt, und Sheila, die Kaltschnäuzige, (Birgit
Lebherz und Beate Zuber), werden von denen überwältigt, versklavt,
ans eigene Handgelenk gebunden, die aus gröberem Stoff gemacht sind und
verschleppt. Und während sich die emanzipatorische und esoterische Jo
(Gisela Samesch) und Helena (schön gelassen: Stephanie Heske)
noch philosophisch |
auf die Rolle der Frau in der
heutigen Gesellschaft besinnen; sich nicht aus dem Gleichgewicht
bringen lassen wollen und Gott für die Unzulänglichkeit der Männer
danken, bindet sich die jüngste Schwester Caroline (schnuffelig:
Jessica Kordulla) freiwillig an einen der Widersacher, findet bei den
Gefangenen beiderlei Geschlechts genau diejenige Annäherung statt,
welche vermieden werden sollte, allerdings mit unterschiedlichen
Erfahrungen.
Spritzige Inszenierung
Die Fronten bröckeln, die
Alleingelassenen und Frustrierten einigen sich lüstern auf einen
Modus Vivendi mit Fait accompli, wollen die neue Lebenserfahrung
nicht von sich weisen. Die Karten werden neu gemischt: „Meine Damen, ihr
ergebener Diener!" Eine spritzige Inszenierung (Regie: Ulrich
von der Mülbe) dieses wortgewandten Stük- |
kes hat auf der Bühne des
Theaterkellers, deren Dunkelheit besiegt wurde,: Einzug gehalten.
Zwei Stunden, die trotz oder gerade wegen der langen Dialoge nie
langweilig werden. Ein rasanter Schlagabtausch der Geschlechter
findet statt: witzig, geistreich, von Sehnsucht auf den anderen
durchsetzt. Vor allen Dingen die Szenen der beiden Brüder sind
bemerkenswert: Tony (Florian Schmider), tölpelhaft und bauchbezogen
sowie David (Daniel Hefele), ausgebufft, prägnant und mit hoher Präsenz,
liefern ein kleines Kabinettstückchen ab.
„Hast Du
jemals schon das Gefühl gehabt, Du
seist schon einmal dage-wesen?"
Jawohl, man hat, schon sehr
oft, es ist das alte Spiel von Macht und Unterwerfung, von Lust
und Erfüllung. Und es ist auf
jeden Fall sehenswert.
Weitere Vorstellungen
finden am 17., 18., 19., 20., 21. und 22. Februar, jeweils um 20 Uhr
im Theaterkeller Sindelfingen
statt. |
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