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Wankelmut der Liebe bzw. Verführbarkeit auf beiden Seiten
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Was für ein Stück! Da lieben sich zwei, werden durch eine Intrige „ent-liebt“, die beiden verlieben sich neu, aber jeweils in einen andern und am Ende gibt es zwei Liebespaare, die glücklich und zufrieden sind.
Wie inszeniert man solch ein Stück? Ein Stück, in dem die Gefühle der Handelnden zwar echt sind, sie aber immer wieder die Unwahrheit sagen? Will Marivaux uns damit sagen, dass es keine Liebe ohne Schuld, Lüge und Intrige gibt? Und wenn man sich der Meinung des Autors anschließt, wie inszeniert man die Lügen, ohne die echten Gefühle damit unglaubwürdig zu machen? Schon bald kamen wir zu dem Ergebnis, dass jede Person im Stück etwas von Beidem gleichzeitig haben muss: Aufrichtigkeit und Lüge, Gutes und Schlechtes. In dieser Hinsicht ist Marivaux ganz menschlich, ganz modern, denn auch die Helden von Heute haben ihre sich widersprechenden Seiten gleichzeitig in sich. Dies zu inszenieren war eine echte Herausforderung. Doch nicht zu Letzt durch die sehr persönliche, sehr freundschaftliche Stimmung an der Schaubühne Sindelfingen wurde es möglich, den abrupten Wechsel von Gut und Böse in einer Person, in einer Szene manchmal nur einen Satz voreinander getrennt heraus zu arbeiten. |
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Jürgen von Bülow
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