Literaturnobelpreis für Dario Fo"Dramatiker des Volkes" - Immer wieder provoziert und angeeckt
Debüt als SchauspielerFo wurde am 24. März 1926 in San Giano am Lago Maggiore geboren. Sein Vater war Eisenbahner, seine Mutter Bäuerin. An der Kunstakademie Brera studierte er Malerei und Architektur. Sein Debüt als Schauspieler hatte er 1952 am Teatro Odeon in Mailand. Zusammen mit Kollegen spielte er in den kommenden Jahren politisch-satirische Revuen, bis sich die Gruppe nach einem Aufführungsverbot auflöste. Fo begann, zusammen mit seiner Frau Franca Rame Stücke zu schreiben, mit der er seit 1954 verheiratet ist. Später gründete das Paar eine gemeinsame Theatergruppe.Den internationalen Durchbruch schaffte Fo 1960 mit dem Stück "Die Erzengel spielen nicht Flipper". Zwei Jahre später übernahm er die Moderation der Fernsehsendung "Canzonissima", die nach weiteren zwei Jahren wegen ihres "Skandalprogramms" wieder abgesetzt wurde. Fo durfte nicht mehr im italienischen Fernsehen auftreten. Dagegen strengte er einen aufsehenerregenden Prozeß an, den er 1974 in letzter Instanz verlor.
Ideologische Streitereien
Mehrmals auf offener Bühne verhaftetFos Theater propagierte das "Theater der großen Provokation". Immer wieder wurde er in Prozesse verwickelt, mehrmals sogar auf offener Bühne verhaftet. Mit seinem politischen und kulturellen Engagement ließ er keine Gelegenheit aus, sich mit dem Staat und seinen Institutionen und auch dem Vatikan anzulegen. Auch im Ausland stieß Fo auf Skepsis. 1980 verweigerten die USA ihm die Einreise zu einem Gastspiel, weil er der Häftlings-Hilfsorganisation "Soccorso Rosso" angehörte."Die Stärke Fos liegt darin, daß er Texte schafft, die gleichzeitig amüsieren, engagieren und Perspektiven vermitteln", heißt es in der Würdigung der Schwedischen Akademie. Insgesamt schrieb der Dramatiker mehr als 70 Werke, von denen einige aus den Spielplänen der Theater kaum wegzudenken sind. Hervorzuheben sind neben "Bezahlt wird nicht!" (1974) auch "Zufälliger Tod eines Anarchisten" (1970), in dem es um eine Reihe rechtsextremistischer Anschläge geht, für die die Behörden die Anarchisten verantwortlich machten, oder die Verwechslungskomödie "Hupen, kleine Trompeten und Fürze" (1981). Fos jüngstes Werk "Der Teufel mit den Titten" wurde im August in Messina uraufgeführt. Von Sabine Hamacher, Fotos: dpa, AP
Letzte Änderung: 10.10.1997 00:02 von aj |