Tragödie von WILLIAM SHAKESPEARE
Ins Deutsche übersetzt und bearbeitet von Christoph Martin Wieland
In Verona herrscht Bürgerkrieg: Die Capulets und die Montagues, zwei alte, reiche Familien der Stadt, sind seit Generationen in tödlichem Hass verbunden. Wo immer sie einander begegnen, gehen sie mit Waffen und Fäusten aufeinander los, sogar ihre Bediensteten. Escalus, Fürst von Verona, selbst Zeuge einer sol­chen Auseinandersetzung auf offener Straße, gebietet den Kontrahenten bei Todesstrafe, Frieden zu halten.
Derweil durchstreift Romeo, Montagues Sohn, unglücklich verliebt in seine Kusine Rosaline, die einsame Natur. Seine Freunde Benvolio und Mercutio, reiche, junge Müßiggänger gleich Romeo, können ihn nicht einmal damit erheitern, dass sie ihm vorschlagen, gemeinsam mit ihnen maskiert ein Gartenfest der Capulets aufzumischen.
Allen dringenden Festvorbereitungen zum Trotz nimmt Lady Capulet sich die Zeit, ihre Tochter Julietta auf die Werbung des Grafen Paris vorzubereiten, der Julietta zur Frau haben möchte. Julietta verspricht ihrer Mutter, den jungen Freier zu prüfen.
Romeo kommt mit seinen Freunden in den Garten der Capulets. Als er Julia sieht, ist es um ihn geschehen. Er verliebt sich in die Tochter des Erbfeindes seine Familie. Tybalt, ein Neffe des alten Capulet, erkennt Romeo trotz dessen Maskierung und will den Degen ziehen, um ihn zu vertreiben. Der alte Capulet aller­dings befiehlt dem jungen Heißsporn, Ruhe zu bewahren.
Julietta ist von Romeo ebenso beeindruckt wie er von ihr. Sie gestehen einander ihre Liebe und verabreden, am nächsten Tage bei Pater Lorenzo heimlich zu heiraten. Einzig Juliettas Amme weiß von diesen Plänen und wird von Julietta als Liebesbotin zu Romeo geschickt. Der Hochzeitstag ist heiß und drückend, die Capulets und die Montagues warten nur auf einen Anlass, dem Verbot des Fürsten trotzend, aufeinander loszugehen. Tybalt, der Romeo noch mehr hasst, weil er ihn am Vorabend nicht vor seinen Degen fordern konnte, sinnt auf Rache. Romeo jedoch, der in Tybalt seinen eben erst angeheirateten Verwandten sieht, geht auf dessen Forderung nicht ein. Mercutio allerdings lässt sich auf das Gefecht ein und fällt von Tybalts Hand. Nun lässt Romeo alle Vorsicht fahren und tötet Tybalt. Wiederum wird Escalus Zeuge dieser mehr­fach tödlichen Auseinandersetzung, in der auch sein Verwandter Mercutio den Tod fand. Der Fürst verbannt Romeo aus Verona.
Julietta fiebert der Hochzeitsnacht entgegen, die sie mit Romeo vereinen wird. Da kommt die Amme mit den Schreckensnachrichten: Tybalt ist von Romeo erstochen, Romeo verbannt. Julietta und Romeo, der auf den Rat des Pater Lorenzo nach Mantua flieht, nehmen Abschied voneinander.
Juliettas Vater, wiewohl in Trauer um seinen Neffen Tybalt, will die Hochzeit seiner Tochter mit dem Grafen Paris sofort vollziehen. Julietta erwartet Hilfe von Pater Lorenzo, sonst werde sie sich selbst töten. Lorenzo gibt ihr ein Pflanzenextrakt, das Julietta in einen todesähnlichen Schlaf versenken wird, und zwar für nahezu zwei Tage und Nächte. Gleichzeitig schickt er seinen Ordensbruder Johann mit einem Brief nach Mantua zu Romeo: Romeo sollte heimkommen, um in den Verwirrungen der Beerdigungsvorbereitungen Julietta nach Mantua zu holen.
Johann kann jedoch nicht abreisen, weil er wegen des Verdachtes auf Pest in Quarantäne gesteckt wird. Als er am Tage danach dem Pater Lorenzo von seinem Missgeschick berichtet, ist das Unglück nicht mehr aufzuhalten. Romeo, der von seinem Diener Balthasar von Juliettas Tod erfährt, hat sich in Mantua Gift besorgt und eilt an Juliettas offenes Grab, um an ihrer Seite zu sterben. Er trifft auf den Grafen Paris, der von seiner scheinbar toten Braut Abschied nehmen will. Romeo tötet den Grafen, nimmt das Gift und stirbt. Julietta erwacht, findet den toten Romeo neben ihrer offenen Bahre und gibt sich selbst den Tod. Pater Lorenzo kommt zu spät und gerät in Verdacht, am Tod der von ihm heimlich getrauten Eheleute Julietta und Romeo schuld zu sein. Der Fürst kommt hinzu, klärt die Missverständnisse auf und ermahnt die beiden erbitterten Gegner, am Grabe ihrer Kinder einander die Hand zu reichen.
„Ihr aber I Getreue Liebende I Die ein allzu strenges Schicksal im Leben getrennt I
Und nun ein freiweilliger Tod auf ewig vereiniget hat I Lebet I Julietta und Romeo I
Lebet in unserm Andenken I Und die späteste Nachwelt möge das Gedächtnis
Eurer unglücklichen Liebe mit mitleidigen Tränen ehren!"
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