Premiere im Theaterkeller Sindelfingen:
So was erfindet man nicht alle Tage
„Nichts Neues in Hollywood": Das Theater an der VHS lief mit seinem neuen Stück zur Hochform auf
Von SZ-Mitarbeiterin SYBILLE SCHURR________
Nichts Neues in Hollywood? Und ob! Für Hollywood mag's zwar die alte Geschich­te sein, für den Theaterkeller aber hat Hollywood durchaus Neues zu bieten.
Selbiges schaffen eine wohlgelaunte, spielfreudige Truppe, der ein nicht minder verspielter Regisseur zur Seite steht und -Hauptsache - ein Textbuch, das möglicher­weise nicht das allerbeste des Autors war, aber doch dessen genial-leichte Hand beim Schreiben erkennen läßt. Um es kurz zu machen: Das Theater an der VHS zeigt un­ter der Regie von Dieter E. Hülle „Nichts Neues in Hollywood" eine Komödie mit kri­minalistischem Einschlag, wie man sie nicht alle Tage erfinden kann. Natürlich sind wir heutzutage dieses Milieu gewöhnt, dafür sorgen Endlos-Serien im Heimkino. Zu Goetzens Zeiten war das ein wenig an­ders.
Also, die Geschichte spielt im mondänen Hollywood. Und vorgeführt werden, mit dem einen oder anderen autobiographi­schen Touch des Autors versehen, die Schönen und Berühmt-Berüchtigten. Mit kriminalistischem Spürsinn lassen sich dann auch noch Spuren autobiographi­scher Selbstdarstellung der Schauspieler „erschnüffeln". Ein durchaus interessantes Mixtum, (was sicherlich grundsätzlich zum Erfolg von Amateurbühnen beiträgt) und das dem Stück so etwas wie Gesellschafts­klatsch-Qualitäten gibt. Es geht natürlich in erster Linie um die ewig-spannende Fra­ge „Wer mit wem und wo". Und da werden dem Publikum allerhand Variationsmög­lichkeiten geboten. Das Stück ist ordentlich personenreich. Acht Darstellern stehen sie­ben Darstellerinnen gegenüber und eine ganze Truppe von Löwenjägern (die wer­den vom Goldberg-Gymnasium gestellt) so­wie Indianer-Statisten. Echt Hollywood.
Mondän
Und weil gestern abend erst Premiere war im Hollywood-Theaterkeller und das Film-Programm bis zum 26. Februar an-
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TOTAL rund geht es in dem Curt-Goetz-Stück „Nichts Neues in Hollywood".
dauert (gespielt wird immer von Freitag bis Montag), wäre es schade, hier allzuviel Neues über Hollywood zu erzählen. Gesagt werden kann natürlich, daß diese Ge­schichte selbst dem bescheidenen Theater-keller einen Hauch Mondänität gibt, dafür sorgen die Kostüme, die sich Dorothea Meert (sie ist auch auf der Bühne zu sehen) für die Darsteller ausgedacht hat und das Bühnenbild, das in Dreier-Gemeinschaft von H. Degen, R. Schmider und Dorothea Meert für den Theaterkeller entworfen wurde.
Dieter E. Hülle hat das Stück, wie er selbst im Programmheft gesteht, bei der Gruppe - in der es streng demokratisch zu­geht - mit sanfter Gewalt durchgesetzt. Und mit sanfter Hand dirigiert er auch die Darsteller, schafft es, so viel Lockerheit in das Amateur-Ensemble zu bringen, daß die Geschichte zum fröhlichen Theatererleb-
nis wird. So ganz einfach ist dies bei einem so großen Ensemble ja nicht, gilt es doch, die unterschiedlichsten Darsteller-Qualitä­ten so auszuschöpfen, daß jeder sein Bestes geben kann. Und weil das Ganze nun mal in Hollywood geschieht, muß keiner mit Gefühlen geizen, da darf ruhig eine Spur übertrieben werden, die Trauer ist in die­sen Theaterkeller-Tagen trauriger, die Lie­be ist größer, die Intrige ungeheuerlicher als sonst irgendwo.
Ein Wort noch zum Theater an der VHS: Es entstand in dieser Form 1974 - hatte aber einen Vorläufer, so daß es wohl das älteste Amateur-Ensemble in der Stadt ist
- und es wurde - wie könnte es anders sein
-  1973 mit drei Einaktern von Curt Goetz aus der Taufe gehoben. 1987 bewies die Gruppe nahezu professionelle Qualitäten in Garcia de Lorcas „Bernarda Albas Haus".